Lieber joblos als unglücklich

ZUKUNFT DER ARBEIT

Viele junge Menschen wollen lieber arbeitslos als unglücklich im Job sein
Mehr als die Hälfte der unter 35-Jährigen würden kündigen, wenn sie ihr Job unglücklich macht, heißt es in einer Studie. Wie das unser Verständnis von Arbeit verändert.

Weniger Arbeit, mehr Freizeit: Es sind besonders junge Menschen, die sich nach einer anderen Work-Life-Balance sehnen.

Arbeiten, nur um eine Arbeit zu haben oder Geld zu verdienen – das wollen vor allem junge Menschen nicht mehr länger tun. Insbesondere seit der Pandemie scheinen viele ihre Ansprüche an ihren Job überdacht zu haben: lieber weniger, dafür sinnvolleren Tätigkeiten nachgehen und mehr Privatleben haben, lautet der Wunsch vieler. Hinzu kommt, dass auch die Anforderungen in einigen Berufen, etwa in der Pflege, im Handel oder in der Bildung, in den vergangenen Jahren gestiegen sind: Arbeitnehmer mussten oft mit einem höheren Zeitdruck, ständiger Verfügbarkeit und höheren Anforderungen an die Arbeitsleistung umgehen.

In den USA wird diese Entwicklung bereits mit dem Begriff der „Great Resignation“ benannt. Statt sich weiter abzurackern, haben dort innerhalb eines Jahres 30 Millionen Menschen einfach ihren Job gekündigt. Zugleich fällt es Arbeitgebern immer schwerer, für bestimmte Jobangebote überhaupt Bewerberinnen zu finden. Die Arbeitszufriedenheit ist in vielen Branchen auf einem Tiefpunkt angekommen – auch hierzulande, wie Studien zeigen.

Andere Prioritäten
Angetrieben wird der Exodus vor allem von den sogenannten Millennials und Post-Millennials, also Menschen zwischen 18 und 34 Jahren – jenen Generationen also, die eines Tages die Zukunft der Arbeit entscheidend mitbestimmen werden. Wie sehr sich deren Prioritäten gegenüber ihrer Elter- und Großelterngeneration verändert haben, zeigt nun auch eine neue Studie des Personaldienstleisters Randstad, für die 35.000 Beschäftigte aus 34 Ländern, darunter auch Österreich, zu ihren Arbeitsvorstellungen und Jobprioritäten befragt wurden.

Das Ergebnis: Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten zwischen 18 und 24 Jahren gaben an, dass sie ihren Job kündigen würden, wenn sie dieser unglücklich macht, 40 Prozent wären sogar lieber arbeitslos als unzufrieden im Job. Unter den Millennials, also den 25- bis 34-Jährigen, sind 38 Prozent lieber arbeitslos als unglücklich im Job. Zum Vergleich: Von den über 50-Jährigen würde nur jeder Vierte Arbeitslosigkeit Unzufriedenheit im Job vorziehen.

Job, der zu Werten passt
Auch Werte spielen in der jüngeren Generation eine größere Rolle. Laut der Studie gab knapp die Hälfte der unter 35-Jährigen an, dass sie keinen Job eines Unternehmens annehmen würden, in dem Diversität und Gleichberechtigung nicht gefördert werden. Ebenfalls 50 Prozent wiederum würden keine Arbeit wählen, die nicht zu ihren sozialen und ökologischen Werten passt.

Auch die Flexibilität spielt spätestens seit Corona eine größere Rolle. Mehr als drei Viertel der Befragten gaben an, dass ihnen flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte extrem wichtig sind. Etwa ein Drittel der unter 35-Jährigen würde sogar kündigen, wenn diese Flexibilität im Job nicht gegeben ist. Das Problem: Weniger als die Hälfte der Beschäftigten hat laut Studie derzeit die Auswahl, ihren Arbeitsplatz frei zu wählen, zwei von fünf Beschäftigten können zudem ihre Arbeitszeiten nicht flexibel gestalten. Für die Studienautoren könnte dies bedeuten, dass die „Great Resignation“ wohl auch in Zukunft weiter andauern könnte.

Arbeit trotzdem wichtig
Dabei ist es nicht so, dass der jungen Generation Arbeit nicht wichtig wäre. Laut Studie geben sogar durchschnittlich mehr junge Beschäftigte im Vergleich zu älteren Arbeitnehmern an, dass ihnen die Arbeit wichtig ist. Nur sollte der Job eben noch besser zu dem eigenen Privatleben, den Werten und Lebensvorstellungen passen, so der Wunsch. Voller Einsatz – aber nur bei voller Überzeugung und Sinnstiftung, lautet das Motto.

Welche Folgen hat all das für die Arbeitswelt der Zukunft? Einige argumentieren, dass es bald zu einer Machtverschiebung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern kommen könnte. Finden sich durch die andauernde „Great Resignation“ immer weniger Arbeitssuchende für einen bestimmten Job, erhöht sich deren Verhandlungsmacht gegenüber den Arbeitgebern. Möglicherweise können sie dann auch Gehalt, Arbeitsbedingungen und flexible Arbeitszeitmodelle besser zu ihren Gunsten ausverhandeln.

Fehlendes Personal
Zugleich stellt sich die Frage, ob sich für bestimmte Berufsgruppen künftig überhaupt noch genug Arbeitnehmerinnen finden werden. In der Pflege gibt es schon jetzt vielerorts einen Personalmangel, und auch im Handel, im Tourismus und in der Gastronomie klagen Betriebe in regelmäßigen Abständen über fehlendes Personal.

Die Autoren der Randstad-Studie sehen dabei aber vor allem auch die Arbeitgeber selbst in der Pflicht. Diese müssten in Zukunft jene Bedingungen schaffen, die Mitarbeiter auch weiterhin in den Unternehmen halten: darunter bessere Möglichkeiten, sich Arbeitszeiten flexibler einzuteilen, Fort- und Weiterbildungsangebote, höheres Gehalt, mehr Anerkennung und vor allem Tätigkeiten, die auch sinnstiftend sind.

Weg zur Viertagewoche
Einige Betriebe glauben, sich bereits auf der Gewinnerseite zu befinden, indem sie in den vergangenen Monaten und Jahren etwa die Viertagewoche und 30-Stunden-Woche eingeführt haben. Nachdem es zunächst vor allem IT-Dienstleister waren, die mit dieser Idee experimentierten, ist das Konzept nun auch in der Produktion und im Handel angekommen. In wie vielen Branchen sich diese dann aber tatsächlich umsetzen lässt, wird sich wohl erst in den nächsten Jahren zeigen. Und auch mit neuen, individuell anpassbaren Arbeitszeitkonten wird vielerorts experimentiert.

Langsam, aber sicher scheinen einige Betriebe aber auch wieder zu einer Situation zurückkommen zu wollen, die jener vor der Pandemie gleicht: mit Anwesenheitspflichten vor Ort und fixen Arbeitszeiten. Wenngleich sich auch viele Arbeitnehmerinnen genau diese Bedingungen wünschen, hat sich der generelle Wandel, welche Rolle der Beruf im Leben spielen soll, für die jüngere Generation wohl bereits nachhaltig etabliert, sagen viele Experten. An den neuen Wünschen und Werten wird die Arbeitswelt deshalb wohl kaum vorbeikommen. Vor allem dann nicht, wenn aus den jungen Arbeitnehmerinnen von heute bereits die neuen Arbeitgeber von morgen geworden sind. (Jakob Pallinger, 10.4.2022)

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Personal gesucht

Seit den Öffnungen im Mai dieses Jahres sinkt die Zahl der arbeitslosen Personen kontinuierlich und nähert sich dem Vorkrisenniveau. Im Juni verzeichnete das Arbeitsmarktservice (AMS) 360.100 Arbeitslose und Schulungsteilnehmerinnen und -teilnehmer. Zwei Jahre zuvor, also vor Beginn der CoV-Pandemie, waren 324.200 Personen ohne Job. Blickt man ausschließlich auf die Zahl der Arbeitslosen, ist die Differenz noch geringer. Im Juni vor der Krise waren 264.520 Personen als arbeitslos registriert, heuer waren es 288.862.

Gleichzeitig schoss in den vergangenen Monaten auch die Zahl der offenen Stellen in die Höhe. Mit 109.000 waren zuletzt so viele sofort verfügbare Stellen gemeldet wie noch nie zuvor. Die Personalsuche ist besonders in der Dienstleistungsbranche (zum Beispiel Tourismus und Gastronomie) und im Handel groß.

Laut AMS-Zahlen wird in allen Bundesländern vermehrt nach Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen für die Gastronomie und die Beherbergung gesucht, der Anstieg gegenüber dem Coronavirus-Juni 2020 betrug bundesweit über 130 Prozent. Aber auch in der Industrie – speziell in Oberösterreich und in der Steiermark – gibt es zahlreiche offene Stellen, die sofort verfügbar sind.

Arbeitslosigkeit sinkt, Inserate steigen

Über Inserate in Onlineportalen oder in Zeitungen versuchen Betriebe, geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu rekrutieren. Im ersten Halbjahr 2021 sind diese laute einem aktuellen Arbeitsmarktreport des Jobportals Karriere.at deutlich gestiegen. So warben Unternehmen um elf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren, als von der Coronavirus-Krise noch keine Spur war. Damals wuchs die Wirtschaft kontinuierlich und die Arbeitslosigkeit sank das ganze Jahr über.

Eine ähnliche Entwicklung hat auch das erste Halbjahr 2021 hinter sich. Die Beschäftigung steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt, ist aber noch höher als vor der Krise – und gleichzeitig suchen Unternehmen nach neuen Arbeitskräften. Laut Karriere.at, das mit Peter Harald Brandstätter von der Fachhochschule Oberösterreich über 250.000 Stelleninserate im ersten Halbjahr analysierte, waren der Handel, die Industrie und die Baubranche im Vergleich zu 2019 besonders aktiv.

Grafik zeigt Daten zum Arbeitsmarkt in Österreich im Juni 2021

Grafik: ORF.at; Quelle: AMS

Im Handel wurden etwa 13 Prozent mehr Inserate ausgeschrieben als noch vor zwei Jahren – und 52 Prozent mehr als im Vorjahr. Gerade diese Branche baute während der Krise Personal ab oder schickte ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit. Nun übersteigt die Zahl der Inserate jene im Vorkrisenjahr signifikant. Auch die IT-Branche oder der Bankensektor sucht nach Personal. Allerdings galt die IT-Branche als krisenresistent und spürte die negativen Auswirkungen der Pandemie kaum – ein großer Personalabbau fand nicht statt.

Fachkräfte in Kleinunternehmen begehrt

Die Stelleninserate der IT-Branche wurden laut Karriere.at heuer bereits nach 65 Tagen wieder deaktiviert, 2019 waren es noch 70 Tage. „Unsere Erfahrung zeigt, dass die meisten Unternehmen ein Inserat deaktivieren, sobald die betreffende Stelle besetzt ist“, sagte Georg Konjovic, Geschäftsführer von Karriere.at. Die Branche sei durch die Krise noch attraktiver geworden – auch wegen der Homeoffice-Möglichkeit, die in den Inseraten nun vermehrt angeführt werde.

Laut dem Arbeitsmarktreport gibt es auch wesentliche Unterschiede in Sachen Betriebsgröße: „Unsere Daten zeigen, dass Fachkräfte momentan besonders in Unternehmen mit maximal 50 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen heiß begehrt sind“, so Konjovic. Im Vergleich zum Vorjahr und zu 2019 schalten diese deutlich mehr Inserate als Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigt

Das Jobportal Karriere.at steht nicht repräsentativ für den heimischen Arbeitsmarkt. Der Großteil der Unternehmen, die bei Karriere.at inserieren, stammt aus dem kaufmännisch-technischen Bereich. Die Gastronomie und der Tourismus, die besonders hart von der Krise getroffen wurden, werden kaum abgebildet. Dennoch zeige der Anstieg der Einschaltungen quer durch alle Branchen in allen Bundesländern, dass die Coronavirus-Krise zumindest aktuell „keinen negativen Einfluss mehr auf die Suche nach Fachkräften“ nimmt.

Uneins über Lösungen

Dass nach wie vor mehr Personen einen Job suchen als noch vor der Krise, die Zahl der offenen Stellen aber weitaus höher ist als 2019, deutet laut Fachleuten auf ein strukturelles Problem auf dem Arbeitsmarkt hin. So stieg die Zahl der Langzeitbeschäftigungslosen und die Dauer der Jobsuche. Jüngere Personen fanden schneller und öfters eine Arbeitsstelle als ältere. Wie man die nicht so gut vermittelbaren Arbeitskräfte auf dem Markt unterbringt, darüber ist man sich aber uneins.

Am 1. Juli startete das AMS zum Beispiel das „Sprungbrett“-Programm. 50.000 Langzeitbeschäftigungslose sollen mit Hilfe von Lohnkostenzuschüssen und gemeinnütziger Arbeitskräfteüberlassung bis Ende 2022 wieder einen Job finden. Die Industriellenvereinigung (IV) forderte hingegen eine „umfassende Arbeitsmarktstrategie“. Es gehe um Aus- und Weiterbildung, eine Erweiterung der Erwerbsbeteiligung vor allem von Frauen und älteren Bevölkerungsschichten und qualifizierte Zuwanderung, hieß es zuletzt.

ÖVP-Arbeitsminister Martin Kocher hatte Anfang Juli die Zumutbarkeitsbestimmungen für Arbeitslose, die während der CoV-bedingten Rekordarbeitslosigkeit nicht umgesetzt wurden, wieder aktiviert. Asylwerbende sollen aber weiterhin erst zum Zug kommen, wenn niemand sonst gefunden werden kann. Wegen des Arbeitskräftemangels in der Gastronomie und Hotellerie forderte Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Wirtschaftskammer-Gastronomieobmann Mario Pulker pochte auf eine „rigorose“ Umsetzung der Zumutbarkeitsregeln.

NEOS übt Kritik an Beibehaltung der Kurzarbeit

Am Mittwoch übte NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker Kritik am Festhalten der Bundesregierung an der Coronavirus-Kurzarbeit: „Mit 109.000 offenen Stellen sind so viele Stellen verfügbar wie noch nie zuvor. Und trotzdem sorgt die Bundesregierung mit dem deutlich zu großzügigen neuen Kurzarbeitsmodell für eine Konservierung des Arbeitsmarktes“, so Loacker. Am Anfang sei das Modell gut gewesen, doch nun „blockiert sie schlichtweg einen Neustart am Arbeitsmarkt“.

Der NEOS-Politiker forderte zusätzlich eine gezielte Unterstützung für Geringqualifizierte und ältere Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sowie einen Qualifizierungsschwerpunkt auf digitale Technologien. Auch das Arbeiten im ländlichen Raum müsse attraktiver gestaltet werden, um die „längst überfällige Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte werde die Regierung nicht herumkommen“, sagte Loacker weiter.

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Keine Anrufe oder E-Mails. Gähnende Leere in Ablagen und Termin-Kalender. Nie platzt jemand ins Büro und hat einen wichtigen Auftrag. Und das geht jeden Tag so. Was im ersten Augenblick wie der weltbeste Job anmutet, entpuppt sich im Alltag als purer Horror: die quälende Langeweile und Unterforderung auf der Arbeit, kurz Boreout genannt. Dieses Phänomen ist quasi der hässliche und noch weitgehend unbekannte Bruder des Burnouts

Selbsttest

Karriereforum Salzburg 21.10.2021

Das Karriereforum ist die Plattform zum Kennenlernen und Vernetzen mit potenziellen Arbeitgebern und Bildungseinrichtungen, um zukünftige Karrierewege zu ebnen.

Wann?    21. Oktober 2021 / 9 – 16 Uhr
  Wo?      Salzburg Congress
Auerspergstraße 6
5020 Salzburg

 

Karriereforum Lehre – 30.9.2021

Die Veranstaltung

Die bereits seit sieben Jahren etablierte Lehrlingsveranstaltung Karriereforum Lehre findet am 30. September 2021 im Live Stream statt. Sie bildet eine wichtige Plattform für junge Besucher und potenzielle Arbeitgeber. Von 8 bis 11 Uhr präsentieren sich Lehrbetriebe via Videostream den Schülerinnen und Schülern aus den Polytechnischen Schulen, Neuen Mittelschulen und Hauptschulen aus dem Bundesland Salzburg und dem angrenzenden Bayern und all jenen, die sich über das Lehrlingsangebot informieren möchten.

Weitere Infos

Kurzarbeitbis Ende Juni verlängert

Die Kurzarbeit steht vor einer weiteren Verlängerung. Der Ministerrat hat am Mittwoch die Phase IV, beginnend mit März, beschlossen. Im Wesentlichen bleibt die Regelung gleich wie für die derzeit laufende Phase III, bestätigte Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) nach dem Ministerrat.

Die Konditionen bleiben wie bisher: Die Nettoersatzrate beträgt je nach Monatseinkommen 80 bis 90 Prozent, die Mindestarbeitszeit 30 Prozent. Diese Bedingung wurde mit dem Lockdown allerdings ausgesetzt, geschlossene Betriebe der Gastronomie und des Beherbergungswesens können die Arbeitszeit auch auf null setzen.

Knackpunkt Vollentlohnung

Problematisch sei, verlautet aus Verhandlerkreisen, allerdings noch ein Punkt: die Erfüllung der Grundbedingung für Kurzarbeit, wonach ein neu eingestellter Dienstnehmer mindestens einen Monat lang voll verdient haben muss, um in Kurzarbeit geschickt werden zu können. Das sei für die im Lockdown befindlichen Branchen wie Gastronomie und Beherbergungsbetriebe, aber auch für Teile der Bauwirtschaft beim Hochfahren des Betriebs ein Problem, verlautet aus Sozialpartnerkreisen.

Nächste Woche ist dem Vernehmen nach ein Treffen der Sozialpartner-Präsidenten geplant, also von Wirtschafts- und Arbeiterkammer sowie der Gewerkschaft. Dabei dürfte auch die Behaltefrist von einem Monat Thema sein, sie wird von Unternehmensseite als nach dem Lockdown besonders belastend kritisiert. Die Gewerkschaft hingegen befürchtet, dass nach Ende der Kurzarbeit und des Lockdowns tausende Dienstnehmer gekündigt werden, weil die Reserven aufgebraucht sind und die Umsätze noch nicht wieder da sind.

„Mit der Verlängerung der Kurzarbeit in der bestehenden Form um weitere drei Monate, bis Ende Juni 2021, geben wir den Beschäftigten und Betrieben Planungssicherheit für die Zeit nach März und sichern weiterhin auch in Branchen Jobs, die aufgrund der gesundheitlichen Entwicklung von behördlichen Schließungen betroffen sind“, betonte Arbeitsminister Martin Kocher. Gefördert wird auch Weiterbildung, Betriebe bekommen bis zu 60 Prozent der diesbezüglichen Ausgaben ersetzt.

Boysday`s Nachlese

Die typischen BOYS‘ DAY Berufe, die mit den österreichweiten Aktionen fokussiert werden, sind z.B. Kindergartenpädagoge, Alten- und Pflegehelfer, Volksschullehrer, Sozialarbeiter etc. Es handelt sich dabei um Jobs, die mehr denn je krisen- und zukunftssicher, vielfältig und vor allem „Berufe mit Sinn“ sind.

Der Bedarf an qualifiziertem Personal im Sozial- und Gesundheitsbereich ist groß wie nie zuvor. Wenn Sie mehr über diese Berufe erfahren wollen, folgen Sie den Links auf dieser Seite. Sie erhalten detaillierte Infos über Tätigkeitsmerkmale, Anforderungen, Beschäftigungsmöglichkeiten, Arbeitsmarktchancen, Einstiegsgehälter und Karrierepotenziale.

Mehr

ILO – Home-Office-Arbeit besser gestalten

Arbeiten im Homeoffice bedeutet laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) für Millionen Menschen weltweit teils schwierige Arbeitsbedingungen und wenig Schutz.

Das Modell der Arbeit in den eigenen vier Wänden, das in der CoV-Krise vielerorts als Notlösung eingeführt wurde, werde langfristig an Bedeutung gewinnen, schreibt die ILO in Genf gestern. Umso wichtiger sei es, Arbeitsbedingungen und Schutz zu verbessern.

Um Ansteckungen mit dem neuen Virus möglichst zu vermeiden, wurden im Frühjahr 2020 Millionen Menschen in aller Welt zum Arbeiten zu Hause gezwungen, teils ohne Schreibtisch oder ausreichend Platz. In den ersten Monaten der Pandemie sei der Anteil derjenigen, die Homeoffice machten, auf knapp 20 Prozent gestiegen.

Auch vor der Pandemie hätten nach Schätzungen schon 260 Millionen Menschen weltweit keinen Arbeitsplatz außerhalb der eigenen vier Wände gehabt, 7,9 Prozent aller Beschäftigten weltweit. Die ILO zählt dazu etwa Näherinnen und Stickerinnen, Leute, die Elektronik oder andere Ware montieren und die per Computer Dienstleistungen erstellen.

Oftmals keine Gewerkschaften

Der Großteil, 166 Millionen, lebt in Asien. In 43 Ländern lag der Anteil der von zu Hause aus Arbeitenden unter fünf Prozent, darunter Deutschland. In 41 Ländern waren es bis zu zehn Prozent (etwa Frankreich, USA und China), in 21 Ländern bis zu 15 Prozent (etwa Großbritannien, Österreich, Niederlande) und in 13 Ländern überwiegend in Afrika und Asien mehr als 15 Prozent.

Die Menschen seien selten in Gewerkschaften organisiert und hätten oft keine Sozialversicherungen. Sie würden seltener geschult und seien Sicherheits- und Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Sie würden oft als Selbstständige betrachtet und seien vom Arbeitsrecht weniger geschützt. Auch Menschen mit Qualifikationen verdienten im Homeoffice weniger als Kolleginnen und Kollegen im Büro: in Großbritannien 13, in den USA 22 und in Argentinien und Indien 50 Prozent weniger.

Die ILO fordert unter anderem schriftliche Arbeitsverträge, faire Löhne und Sozialleistungen. Die Grenzen zwischen Privat-
und Arbeitsleben müssten gewahrt bleiben, etwa durch ein Recht darauf, Computer außerhalb vereinbarter Arbeitszeiten abzuschalten.

Teilzeit nach Langzeitkrankenstand

Die seit Mitte 2017 geförderte Teilzeit nach Langzeitkrankenstand ist stärker in Anspruch genommen worden als erwartet. Bis Ende Juni 2019 habe es 7.331 Anträge für Wiedereingliederungsteilzeit gegeben, davon seien 6.965 Fälle genehmigt worden, sagte Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) heute bei einem Pressetermin in Wien. Ursprünglich hätte man mit 200 Anträge pro Jahr gerechnet.

Die Wiedereingliederungsteilzeit kann zwischen Unternehmen und Arbeitnehmer nach einem mindestens sechswöchigen ununterbrochenen Krankenstand für mindestens einen Monat und bis höchstens sechs Monate vereinbart werden. Der Betrieb bezahlt während der Teilzeit nur die tatsächlich geleistete Arbeitszeit, zur Teilabdeckung des Verlustes zum ursprünglichen Gehalt gibt es ein Wiedereingliederungsgeld von der Krankenkasse.

Nach längerer schwerer Krankheit ist eine schnelle Rückkehr zur vollen Arbeitszeit oft nicht möglich und sinnvoll. Einen gesetzlichen Anspruch auf eine geförderte Teilzeit nach Langzeitkrankenstand gibt es aber nicht.

Kleinere Adaptierungen geplant

Anlässlich eines aktuellen Evaluierungsberichts des Arbeitsministeriums zur Wiedereingliederungsteilzeit sollen kleinere Adaptierungen im Rahmen einer Arbeitsgruppe ausgearbeitet werden. Ergebnisse werde es „in den nächsten Monaten“ geben, sagte Aschbacher. Die Rückmeldungen von Interessenvertretungen, Krankenversicherung und Arbeitsmedizinern seien „äußerst positiv“.

Bisher wurde die geförderte Teilzeit nach Langzeitkrankenstand vor allem von größeren Unternehmen in Anspruch genommen. Die Arbeitsministerin will das Förderinstrument nun bei kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) bekannter machen.

In der Wiedereingliederungszeit hätten die Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit im Schnitt um 41 Prozent reduziert, 54 Prozent aller Antragsteller seien Frauen gewesen, geht aus dem Evaluierungsbericht hervor. Die Personen waren in der Regel zwischen 45 und 54 Jahre. Sechs Monate nach Ende der geförderten Teilzeit hätten noch knapp 90 Prozent weiterhin gearbeitet.